Perspektive

Von Poesie und Nervosität

Gero Friedrich, jüngster Teilnehmer

Mittwoch, 20.Dezember, 17:00 Uhr, ich komme in eine fast komplett leere Aula. Die Nervosität macht sich erstmals bemerkbar. Nur noch eine Stunde dann ist es so weit, dann beginnt der Abend für Dichter und Poeten. Mit Ausnahme von einigen Teilnehmern, Frau Oeckinghaus und einigen Schülern aus dem 12 Deutsch-LK2, welche für den Kuchenverkauf verantwortlich sind, ist noch keiner da.

Eben dieser Kurs, dem ich selbst angehöre, hat den Poetry Slam-Wettbewerb organisiert. An sich hätte ich vermutlich nicht teilgenommen, doch durch Druck vom Kurs entschied ich mich schlussendlich doch an diesen Wettbewerb teilzunehmen. Und nun stehe ich hier mit einigen anderen Kursmitgliedern, deren Nervosität vermutlich ebenso groß ist wie meine. Nach einem kurzen Mikrotest verziehen wir uns in ein Hinterzimmer und üben alle unsere zwei Texte noch einmal. Die Nervosität steigt. Wir alle reden uns ein, dass sich kaum jemand für Poesie interessiert und daher kaum jemand auftauchen wird, damit wir nicht die Nerven verlieren.

Lea Beneke, Meisterin 10-14

Dann, als wir um 17:45 alle mit unserem Üben fertig sind, folgt der Schock: Wir betreten eine Aula, die ich noch nie so voll in Erinnerung hatte. Die Nervosität verfünffacht sich. Als es um 18:00 mit Musik von NNAIK losgeht und darauf die Vorrunde für die Altersgruppe 11-14 beginnt, sitze ich auf einen Stuhl und bin so in meinem Text vertieft, dass ich dem ganzen recht wenig Beachtung schenke. Nachdem die 3 Vorrundensieger Lea Beneke, Xenia Riexinger und Lisa Marks durch Publikumsapplaus bestimmt wurden, trägt Herr Müller ein Gedicht außer Konkurrenz vor und ich bin als nächstes dran. Nachdem die Moderation meinen Namen aufruft begebe ich mich dem Schweißausbruch nahe auf die Bühne.

Mit dem Gedanken „Blamiere dich bloß nicht!“ stehe ich auf der Bühne einer randvollen Aula und fange an meinen ersten Text vorzutragen. Er heißt „Der Deutsch-LK“ und behandelt eben die Sinnlosigkeit dieses Faches auf humoristische und sarkastische Weise. Als das Publikum permanent während meines Vortrags lacht, einige sogar in Tränen ausbrechen, merke ich, dass mein Vortrag ankommt. Am Schluss folgt ein sehr starker Applaus und ich verlasse die Bühne mit dem Gefühl „Gott sei Dank, es ist endlich vorbei.“. Nach zwei weiteren Vorträgen werde ich wieder auf die Bühne gebeten, um zu ermitteln wer aus meiner Vorrundengruppe weiter kommt. Als bei mir der Applaus am stärksten ausfällt, entsteht zuerst eine Gefühl von Zufriedenheit und Stolz, doch dann kommt die schockierende Realisation: „Scheiße! Ich muss nochmal hier hoch.“

Mein Vortrag

Während der Pause und dem dreiköpfigen Finale der Altersgruppe 11-14, übe ich intensiv meinen zweiten Text. Die Nervosität fängt langsam, aber sicher an wieder aufzutauchen und zu steigen. Das Finale der Altersgruppe 15-19 wird nicht nur mit mir, sondern auch mit Niklas O‘ Brien, Angela Kropp und Kian Emamverdi mit Mattheo Blauth, welche beide als Oralapostel auftreten, ausgetragen. Alle gehen in die MSS 12. Alle sind im Deutsch-LK2. Eigentlich waren die Oralapostel bereits ausgeschieden, doch auf Publikumswunsch hin wurden beide noch ins Finale mit aufgenommen. Erneut darf ich als erstes vortragen und betrete voller Nervosität die Bühne.

Nachdem ich den Deutschunterricht aufs Korn nahm, war nun in meinem zweiten Text das Sportkollegium dran. Erneut schaffe ich es mit Sarkasmus das Publikum zum Lachen zu bringen und konnte am Ende wieder recht zufrieden die Bühne verlassen. Nun beginnt das Warten auf die alles entscheidende Applausrunde. Obwohl ich wieder tobenden Applaus erhalte, reicht es dieses Mal nicht ganz zum Sieg und ich werde zweiter. Die Oralapostel erreichen den ersten Platz während Angela Kropp dritte und Niklas O‘ Brien vierter wird. Alles in Allem, war dies ein sehr erfolgreicher Abend und obwohl ich mit meinem Nerven am Ende bin und ich mir vermutlich meine Sportnote endgültig versaut habe, war es die Teilnahme definitiv wert!
Angela Kropp, Vizemeisterin 15-43

Anmerkung: Im Nachhinein wurde entschieden, dass sich die Oralapostel und Jakob Lindon den ersten Platz teilen und somit alle drei den Hauptpreis (je 2 NightWash-Karten) .

Jakob Lindon, MSS 12

Fotos: Jan-Philipp Jacob, MSS 12