Perspektive

Interview: Augmented Reality zu Bildungszwecken

Info: Was ist Augmented Reality? Unter Augmented Reality, meist abgekürzt mit „AR“, zu deutsch „Erweiterte Realität“, versteht man die Integration von digitalen Zusatzinformationen (Info-Texte, Projektionen, Markierungen) in die Umgebung des Nutzers in Echtzeit. So kann zum Beispiel ein Modell der Erdkugel durch Markierungen der einzelnen Breitengrade veranschaulicht werden, indem man die entsprechenden Informationen aus dem Display des Smartphones entnimmt, dessen Kamera auf das Modell der Erdkugel gerichtet ist. Es wird also ein bereits vorhandenes digitales Medium (Bilder, Videos) mit neuen, nützlichen Zusatzinformationen erweitert.

Redakteur Simon Tritschler führte ein Interview mit Frau Hauter, welche gemeinsam mit Frau Färber im Februar im Rahmen der Didacta Stuttgart an einem AR-Workshop teilgenommen hat und deswegen im Bereich der Etablierung von Augmented Reality im Unterricht einige Erfahrungen gesammelt hat. Es wurden ihr Ihr einige Fragen gestellt, wie sich die AR-Technologie in unser heutiges Bildungssystem integrieren kann und welche Möglichkeiten sich unserer Schule mit der neuen Technologie öffnen könnten.

 Redakteur S. Tritschler: „Mithilfe von Augmented Reality wollen Sie den Unterricht anschaulicher gestalten und folglich für mehr Verständnis unter den Schülern sorgen. Gibt es schon Beispiele oder Vorbilder an oder von Schulen, an denen man sich orientieren kann, um die neue Technologie an unserer Schule zu fördern und zu etablieren?“

Frau Hauter: „Augmented Reality ist eine Technik, die derzeit noch in den Kinderschuhen steckt. Es gibt – soweit ich weiß – derzeit noch relativ wenige Einsatzbeispiele an Schulen. Auch die Schulbuchverlage setzen die neuen Technologien derzeit erst spärlich ein. Es gibt auch noch keine Standardformate ö.ä., die von verschiedenen Apps erkannt werden können. Außerdem sind auch nicht überall die technischen Vorraussetzungen vorhanden und es treten auch immer wieder Probleme auf, sodass der Einsatz der neuen Technik derzeit noch relativ aufwendig ist. Das ist der Grund, warum Augmented Reality momentan kaum an Schulen eingesetzt wird.“

Redakteur: „Sie haben die fehlende technische Ausstattung an Schulen & Bildungseinrichtungen erwähnt. Welche Ausstattung, auch im Bezug auf die Rechenleistung und den Kostenaufwand, wird für das flüssige Verwenden von AR-Anwendungen benötigt?“

Frau Hauter: „Jeder Schüler benötigt ein Smartphone, das ist aber in der Regel nicht das Problem. Die Schwierigkeiten liegen dann eher bei der Verbindung zum Internet. Im Idealfall sollte ein stabiles WLAN-Netz zur Verfügung stehen, in das sich auch ca. 30 Geräte gleichzeitig einloggen können. Das ist leider nicht immer der Fall, insbesondere kommen manche Access- Points dann an ihre Grenzen. Falls man das WiFi-Netz nicht nutzen kann, funktioniert das Ganze zwar auch über eine mobile Netzverbindung, aber hier sollte man mindestens 3GGeschwindigkeit (in etwa 40 mbit/s) haben, damit keine Fehler auftreten. Auch die Server, von denen AR-Anwendungen geladen werden, kommen manchmal bei größeren Gruppen an ihre Grenzen. Das klingt jetzt alles sehr detailliert und technisch, zeigt aber, dass man sich vor dem Einsatz in der Schule einige Gedanken machen muss und dass es einige „Stolperfallen“ gibt, die auch nicht immer vorhersehbar und planbar sind.“

Redakteur: „Das bedeutet natürlich, dass erstmal die Anwendungen geschaffen werden müssen, um AR sinnvoll zu nutzen. Mit welchem Aufwand ist es verbunden, ein AR-Projekt zu realisieren und wie lange dauert das in etwa?“

Frau Hauter: „Es gibt Anwendungen, die kostenlos und sehr einfach zu bedienen sind. Hierzu gehört auch die „Aurasma“-App, die wir immer benutzen. Allerdings sind diese in der Funktionalität in der Regel eher eingeschränkt. Beispielsweise funktioniert dann die Trigger- Erkennung nicht so gut oder dauert oft sehr lange. Es ist schwer zu sagen, wie lange man dann an einem AR-Projekt sitzt, da es sehr stark auf die Komplexität des Projektes ankommt. Je mehr Beschriftungen etc. eingefügt werden müssen, desto länger dauert es. Die einfachsten Projekte, bei denen man beispielsweise einfach ein Foto über ein anderes blendet, kann man in ca. einer halben Stunde technisch realisieren, aber die meisten, teils komplexeren Projekte benötigen eine längere Vorbereitungszeit. Insbesondere braucht man eine Weile, um eine gute Idee zu haben, ein gutes und geeignetes Triggerfoto zu machen und ein inhaltlich sinnvolles Overlay zu finden. Wenn man ein dreidimensionales Motiv hat, das von vielen Schülern gleichzeitig (also aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig) mit einem AR-Overlay versehen werden soll, kann man die einfachen Apps nicht mehr verwenden. Dann ist eine Programmierarbeit notwendig, die eine lange Einarbeitungszeit erfordert und auch trotz Vorkenntnissen aufwendig ist und lange dauert. Dies ist dann nicht mehr von uns Lehrern „nebenher“ zu bewältigen. Viele komplexere Apps sind zudem kostenpflichtig.“

Redakteur: „Da hätten wir die wiederkehrenden Probleme der Kosten und des Aufwandes, die bei einer solchen Erweiterung des Unterrichtes immer wieder auftreten. Haben Sie schon eigene Projekte bzw. Programme entwickelt, die Augmented Reality miteinbeziehen? Wenn ja, haben Sie diese schon einmal bei Ihnen im Unterricht eingesetzt?“

Frau Hauter: „Eigene Programme haben wir nicht entwickelt, aber Frau Färber und ich haben schon im Rahmen eines Projektes mit der TU Kaiserslautern mithilfe der schon erwähnten App „Aurasma“ AR-Projekte entworfen und teilweise im Unterricht eingesetzt.“

Redakteur: „Haben Sie und Frau Färber Zukunftspläne, die mit der AR-Technologie realisiert werden können, welche Sie dann auch in Ihrem eigenen Unterricht einsetzen würden?“

Frau Hauter: „Im Moment haben wir keine weiteren konkreten Pläne. Die TU befasst sich weiterhin sehr intensiv mit der Thematik und erstellt mitunter auch relativ anspruchsvolle ARAnwendungen. Dabei werden immer mal wieder Klassen/Kurse gesucht, in denen die Projekte getestet werden können. Da das BurgGymnasium ja einen Kooperationsvertrag mit dem Fachbereich Biologie an der TU hat, kann es also gut sein, dass immer wieder AR-Anwendungen an unserer Schule erprobt werden.“

Redakteur: „Augmented Reality hat sich bisher leider noch nicht aufgrund den bekannten Problemen bundesweit im Unterricht etabliert. Denken Sie, das wird passieren und wenn ja, in welchem Zeitraum?“

Frau Hauter: „Das ist schwierig abzuschätzen. Auf der einen Seite steckt in AR viel Potenzial, sodass ich denke, dass die Möglichkeiten in Zukunft immer mehr genutzt werden. Auf der anderen Seite ist es gar nicht so einfach, gute Anwendungsgebiete zu finden, bei denen AR auch einen wirklichen Mehrwert bringt. Außerdem verfliegt – wie bei jeder neuen Methode – auch bei Schülern der anfängliche Reiz nach einer Weile. Insbesondere macht es natürlich keinen Spaß mehr, wenn man die Technik zu oft einsetzt. Insgesamt denke ich, dass AR in unseren Schulalltag einziehen wird, falls die Schulbuchverlage das Potenzial erkennen und Anwendungen programmieren, die beispielsweise auf die Schulbücher zugeschneiten sind und dann professionell entwickelt werden und dadurch allen Lehrern in hoher Qualität zur Verfügung stehen.“

Die Schülerzeitung dankt Frau Hauter für das informative und aufschlussreiche Interview und vor allem für die Ermöglichung des Interviews in einem ungünstigen Zeitrahmen zwischen Weihnachten und Neujahr, damit das Interview pünktlich zum Einsendeschluss des Schülerzeitungswettbewerbes auf unserer Homepage erscheinen konnte.

Simon Tritschler, Klasse 9a