Arbeitslosigkeit, Klimawandel, Überalterung, Terrorismus, Globalisierung - wie schon ein Blick in die Tageszeitung beweist, scheint das Zusammenleben in unserer menschlichen Gesellschaft immer komplizierter und unübersichtlicher zu werden. Angesichts der zunehmenden Vernetzung sozialen Handelns und der Fortentwicklung unserer Umwelt zu einem globalen System bedarf es umfangreicher Fähigkeiten zur Orientierung, Urteilsbildung und Entscheidungsfindung, um die Interessen, Rechte und Pflichten eines mündigen Staatsbürgers wahrnehmen zu können. Das Fach Sozialkunde will den Schülerinnen und Schülern die hierfür notwendigen Basiskompetenzen in den zentralen sozialen Problemfeldern vermitteln und greift dazu eine Vielfalt aktueller und zukünftiger Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Ökologie und Recht auf.
Der Sozialkundeunterricht in der Sekundarstufe I beginnt mit zwei Wochenstunden in der Jahrgangsstufe 9 und wird in der Jahrgangsstufe 10 mit einer Wochenstunde fortgesetzt. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf der unmittelbaren Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler und umfasst konkrete Problemfelder, die ihrem eigenen Erfahrungsbereich entstammen. Dazu gehören z.B. das Zusammenleben in der Familie, in der Schule und im Kreis der Gleichaltrigen, der Umgang mit Massenmedien und Unterhaltungselektronik, die politische Beteiligung in der Gemeinde und im Bundesland und die spezielle Rechtssituation von Kindern und Jugendlichen. Aber auch Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft, des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland und der internationalen Beziehungen werden den Schülerinnen und Schülern bereits in der Mittelstufe vermittelt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einem fachbezogenen Methodentraining, welches den Schülerinnen und Schülern eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitstechniken von der Mindmap über das Rollenspiel bis hin zur Analyse von Gesetzestexten, Schaubildern und Karikaturen näher bringen soll. Daneben liegt natürlich auch ein besonderes Augenmerk auf aktuellen politischen Diskussionen, Wahlkämpfen und anderen bedeutsamen Ereignissen.
In der Sekundarstufe II bildet das Fach Sozialkunde gemeinsam mit Erdkunde und Geschichte das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld, die so genannte Gemeinschafts¬kunde. Das Leistungsfach Gemeinschaftskunde wird mit sechs Wochenstunden unterrichtet, von denen vier Wochenstunden auf das jeweilige Schwerpunktfach entfallen. Jeweils eines der beiden übrigen Fächer tritt als Zusatzfach auf Grundfachniveau mit zwei weiteren Wochenstunden hinzu. Das Grundfach Gemeinschaftskunde wird mit vier Wochenstunden unterrichtet. In der Sozialkunde befasst sich jedes MSS-Halbjahr mit einem übergeordneten Themenbereich, wobei das Halbjahr 11/1 dem Thema Gesellschaft gewidmet ist, das Halbjahr 11/2 dem Thema Wirtschaft, die Jahrgangsstufe 12 der Politischen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland und die Jahrgangsstufe 13 (nur Leistungskurs) der Internationalen Politik. Der Unterschied zwischen Grund- und Leistungskurs besteht dabei vor allem in der Zahl der Teilaspekte und in der Tiefe ihrer Behandlung. Ausgehend von einer einleitenden Betrachtung der verschiedenen Dimensionen des Politikbegriffes erwarten die Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe so vielfältige Inhalte wie die Sozialstrukturanalyse unserer Gesellschaft, die Untersuchung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse (z.B. Frauen, Jugend, Migration), ein vertiefender Einblick in die Mechanismen der sozialen Marktwirtschaft (insbesondere der Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Wirtschaftspolitik, auch und gerade unter dem ökologischen Gesichtspunkt) sowie die Erarbeitung der zentralen Elemente unserer Verfassung und der Funktionsweise der in dieser vorgesehenen politischen Institutionen. Im Leistungskurs werden diese Themenbereiche noch ergänzt durch eine Einführung in die Politische Theorie und Ideengeschichte und eine Analyse der internationalen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der Einbindung Deutschlands in überstaatliche Organisationen wie UNO, NATO oder EU. Mit der inhaltlichen Beschäftigung geht eine Abrundung und Vervollkommnung der methodischen Kenntnisse aus der Mittelstufe einher, welche die Vermittlung von Grundlagenkenntnissen in Bereichen wie Textarbeit, Diskussion, Umgang mit Materialien und Statistiken, Durchführung einer Umfrage und sozialwissenschaftliche Modellbildung beinhaltet. Der Schwerpunkt liegt hierbei einerseits auf der eigenständigen Informationsbeschaffung, andererseits aber auch auf der Fähigkeit zu einer konstruktiven und ertragreichen Teamarbeit. Schließlich wird der im Lehrplan vorgesehene pädagogische Freiraum immer wieder dazu dienen, aktuelle Geschehnisse aufzugreifen und verstärkt auf die individuellen Wünsche und Anregungen der Schülerinnen und Schüler einzugehen.
09.09.2010 11:57:32
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