Die 72. Reise von Doris Racke in den Senegal - vom 02.-17. April 2009 waren Georg und Charlotte Armborst dabei - die anderen blieben eine Woche länger- Zweck der Reise war, bestehende Projekte zu besuchen und neue Projekte weiter voranzubringen.
Die Reisegruppe bestand dieses Mal aus folgenden Personen:
Am 02. April 2009 starteten wir von Frankfurt a. Main aus und flogen über Brüssel. Von dort sind es 4479 km in den Senegal. Da der Senegal südwestlich von uns liegt, sind wir dem Senegal um eine Zeitzone voraus und weil wir gerade Sommerzeit haben, müssen die Uhren bei der Ankunft um 2 Stunden zurück gestellt werden. Im Senegal ist gerade Trockenzeit. In der Mittagshitze haben wir 40 °C, nachts wird es angenehm kühl. Gefühlte Temperatur: 20°C.
Wie alles begann: Anfang der 80er Jahre mit einem Urlaub von Doris und Dieter Racke im Club Aldiana im Senegal. In diesem Urlaub kam auch die Besichtigung eines Lepradorfes vor. Der extreme Gegensatz von Reichtum und Armut, den das Paar hier erlebte, führte zur Gründung des Senegalhilfe Vereins e.V.
Das erste Projekt des Vereins war dann auch in einem Lepradorf- in Peycouck. Hier baute der Verein eine Gesundheitsstation und ein Schulgebäude. Dieses erste Gebäude, das der Verein im Senegal baute, konnten wir uns ansehen. Inzwischen sind auf dem Schulgelände mehrere Erweiterungsbauten entstanden, die zum Teil auch von anderen Hilfsorganisationen finanziert wurden, so dass hier ein großer Schulkomplex entstanden ist.
Das Engagement des Vereins sprach sich schnell herum und Khady Gueye, die Präsidentin des örtlichen Behindertenverbandes, wendete sich eines Tages persönlich an Doris Racke, ob sie nicht auch etwas für behinderte Menschen tun könne. So entstanden 3 Behindertenzentren des Vereins in:
In allen Zentren werden körperbehinderte Menschen zu Hauswirtschafterinnen, Schneidern, Schuhmachern, Buchbindern und Schreinern ausgebildet und bekommen nach ihrer Ausbildung entweder einen Arbeitsplatz in den Werkstätten des Zentrums oder sie bekommen vom Verein die Grundlage für eine selbstständige Existenz zur Verfügung gestellt.
Seit 10 Jahren betreibt der Verein auch eine Landwirtschaftsschule in Sandiara. Auch ihre Absolventen bekommen die Grundlage für eine selbstständige Existenz zur Verfügung gestellt. Die meisten der Absolventen entscheiden sich für die Bullenmast. Dafür werden auf einem großen Viehmarkt im Norden des Landes pro Absolvent zwei Jungbullen gekauft, die dann in den Süden an die Küste laufen müssen- für den Viehtrieb werden Hirten engagiert. Wenn die Tiere am Ort ihrer Bestimmung angekommen sind, sind sie meist sehr mager und müssen mehrere Monate lang aufgepäppelt werden, bevor sie gewinnbringend verkauft werden können. Der Erlös muss zum Teil wieder in den Kauf neuer Jungbullen investiert werden- der Gewinn ist dann die Grundlage einer bescheidenen Existenz.
Ein besonderes Projekt ist das Flüchtlingsdorf Louly Ndia, an einer Hauptverkehrsstraße gelegen und durch diese vom alten Dorf Louly Ndia getrennt. Hier schuf der Verein eine Heimstatt für 30 Flüchtlingsfamilien, die nach Mauretanien ausgewandert, dort aber wieder vertrieben worden waren. Behausungen, Gesundheitsstation, Kindergarten und Schule und seit Anfang dieses Jahres auch eine Geburtsstation gibt es dort. Für diese Geburtsstation hatte ich vor unserer Reise gesammelt und als wir sie nun in Augenschein nahmen, erfuhren wir, dass dort inzwischen schon 9 Babies geboren wurden. Hier besuchten wir auch Schule und Kindergarten und spielten mit den großen und kleinen Kindern. Die Flüchtlinge leben haupt-sächlich von der Landwirtschaft, in die sie sich aber seinerzeit einarbeiten mussten, da sie zuvor andere Berufe hatten. Inzwischen haben sie eine spanische Gesellschaft gefunden, die auf ihrem Land Honigmelonen anbaut und die auch viele von ihnen als Landarbeiter beschäftigt- das ist eine Partnerschaft, die beiden Seiten nutzt.
In vielen Orten hat der Verein auf Bitten der Bevölkerung hin Kindergärten und Schulen errichtet. Im Senegal ist es im Allgemeinen so, dass die Gebäude meist von ausländischen Organisationen errichtet und mehr oder minder vollständig eingerichtet und dann dem Staat übergeben werden, der das Personal stellt und entlohnt. Das neueste Projekt dieser Art ist eine Vorschule in dem abgelegenen und bettelarmen Dorf Guityr. Cordula Maier ist verantwortlich für die Organisation, Antragstellung und Abrechnung der Baumaßnahme beim BMZ (Bundesministerium für politische Zusammenarbeit und Entwicklung), Herr Mbay Ly, der Leiter der Landwirtschaftsschule in Sandiara und Mitglied des Partnervereins im Senegal, „Aide pour le Senegal“, ist verantwortlich für die Überwachung des Projektes vor Ort. Auf unserer Reise besichtigten wir die Baustelle und kümmerten uns um den Fortgang des Projekts. Die an unserer Schule gesammelten Lehr- und Lernmaterialien haben wir in den Senegal transportiert, sortiert und zwischengelagert und sie werden aller Voraussicht nach ab Oktober in Guityr zum Einsatz kommen.
Die Zielsetzung des Vereins ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Diese muss sich in die Gesamtsituation des Landes einfügen. Der Verein will nicht in einem armen Land Inseln von extremem Wohlstand schaffen, sondern die vorhandenen Spendenmittel möglichst vielen Menschen zu Gute kommen lassen. Dazu beginnt er mit der Errichtung von Kindergärten, um die Kleinsten fit zu machen für die globalisierte Welt, die auch den Senegal nicht vergessen hat. Die Kontinuität wird durch Schul- und Berufsausbildung gewährleistet. Die Gebäude, die der Verein errichtet, sind allesamt schlicht, funktional und solide gebaut- aber frei von jedwedem unnützen Gepränge. Körperbehinderten Menschen zu helfen, ist ein besonderes Anliegen, denn diese Menschen haben in einem Land wie dem Senegal keine andere Möglichkeit, als mit Betteln ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Zum Schluss noch einige Worte zu unserer Situation auf der Reise und zu einem kleinen Resümee. Wir waren in 2 Häusern untergebracht, die von langjährigen Vereinsmitgliedern aufgebaut worden waren und wo der Verein jetzt immer seine Mitglieder, die zu einem Arbeitseinsatz in den Senegal reisen, sowie Interessierte, die sich die Projekte vor Ort einmal ansehen wollen, unterbringt. Das alte Haus war einmal eine französische Seuchenstation, als der Senegal noch französische Kolonie war. Nach der Unabhängigkeit im Jahre 1960 war das Haus sich selbst überlassen und verfiel. Als der Senegalhilfeverein es von der Stadt Mbour zur Verfügung gestellt bekam, standen zum Teil noch die Außenmauern. Heute sind beide Häuser in Ordnung, das Grundstück ist, wie im Senegal üblich, von einer Mauer umgeben und wird von einem Wachmann und zwei großen Hunden ganzjährig bewacht. Gleich hinter unserem Haus war der endlose Sandstrand, zwar etwas zugemüllt, aber trotzdem noch wunderschön und lebendig, d.h., die Tierwelt wie z.B. Krabben, trotzt dem Müll. Der Strand war auf der Reise unser Luxus- jeden Tag nach der Arbeit hielten wir uns dort auf und sammelten unter anderem auch die Muscheln, von denen jeder, der uns etwas in den Senegal mitgab, inzwischen eine erhalten hat.
Unsere Tage waren ausgefüllt mit dem Besuch von Einrichtungen des Vereins, Mitarbeiterversammlungen und Einzelgesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort, Sortieren und Verteilen des gespendeten Materials (jeder von uns hatte etwas gesammelt und mitgebracht), aber auch vom Spiel mit den Erzieherinnen und Erziehern und den Kindern in den verschiedenen Einrichtungen.
Ich kann sagen, dass ich auf dieser Reise Menschen und Orte kennen gelernt habe, die ich als normale Touristin z.B. in einem der zahlreichen Clubs an der Küste niemals getroffen hätte und das war eine große Bereicherung für mich. Einer der Momente, die mich auf diesem Aufenthalt am meisten bewegt haben, war der, als Herr Assis, der Leiter des Behindertenzentrums in Tivaouane, auf der örtlichen Mitarbeiterversammlung im Namen aller seiner Mitarbeiter und Schützlinge die Worte sprach:“ Ich danke dem Senegalhilfe Verein e.V. dafür, dass er körperbehinderten Menschen die Möglichkeit gibt, durch ihrer eigenen Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ein Leben in Würde zu führen. Jetzt- so sagen sie selbst- haben wir in unseren Familien und in der Gesellschaft einen Wert.“
Ich habe auch gemerkt, dass die persönlichen Kontakte, die einige Mitglieder des Vereins - der „harte Kern“ von ihnen seit über 25 Jahren - aufrechterhalten, indem sie ein- bis zweimal pro Jahr die Projekte und auch viele der Existenzgründungen besuchen (zuvor mussten sie sie natürlich aufbauen), für die Menschen vor Ort von unschätzbarem Wert sind. Sie fühlen sich und ihre Arbeit gewürdigt, eine gewisse Öffentlichkeit wird hergestellt, aber auch eine heilsame Kontrolle, die den Missbrauch der Mittel verhindert. Es ist unserem Verein zu wünschen, dass sich immer wieder Menschen finden, die den Verein in vielfältiger Weise unterstützen. Allen Familien, die mir etwas für den Senegalhilfe Verein e.V. gespendet haben, sage ich an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank.
Mein Bericht kann keine Vollständigkeit bieten, weder in Bezug auf das Land, noch in Bezug auf den Verein. Wer weitergehendes Interesse hat, den verweise ich an dieser Stelle auf die Homepage des Vereins: http://www.Senegalhilfe-Verein.de.
Kaiserslautern, im Mai 2009 Charlotte Armborst
19.05.2012 18:31:35
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